#Mit einem Wort: Phantastisch

Die Strecke zwischen Fort Nelson und Watson Lake kann man mit dem Wort „phantastisch“ beschreiben. Kurz hinter Fort Nelson verändert sich die überwiegend flache Landschaft und nimmt hügelige und bergige Formen an. Der Alaska-Highway verläuft hier durch die nördlichen Ausläufer der Rocky Mountains. Die Ausblicke sind spektakulär. Weite und Klarheit strahlen unendliche Ruhe aus. Unsere Gespräche sind verstummt und jeder für sich geht eigenen Gedanken nach.

 

Als wir in den Hängen am Straßenrand Steinschafe entdecken und kurz Zeit später den türkisfarbenen Muncho Lake erblicken, beschließen wir, diese Gegend durch ein kleine Wanderung näher kennen zu lernen.

#bison bison athabascae

Wir fotografieren die Hinweistafel am Straßenrand, die vor Bisons warnt. Ernsthaft rechnen wir nicht damit, tatsächlich einen dieser Gesellen zu Gesicht zu bekommen. Nach etwa einhundert Kilometern haben wir die Warntafel bereits vergessen und stehen plötzlich mitten in einer Herde von 150 Bisons und das in freier Wildbahn. Unglaublich, mit welcher Anmut und Ruhe sie sich filmen und ablichten lassen.

#FÜ-P 6739 Watson Lake

Unser OTTO rollt zuverlässig und ruhig. Er bringt uns jeden Tag ein gutes Stück weiter. Kein Wunder, die Strecke von Halifax nach Alaska ist ihm – im Gegensatz zu uns – bestens bekannt. Auch der Vorbesitzer, Otto Pawlik, war vor 9 Jahren mit ihm auf dieser Route unterwegs. Noch ahnen wir nicht, dass es dafür einen echten Beweis gibt.

 

Watson Lake ist die drittgrößte Stadt in den Yukon Territories und zählt sage und schreibe 800 Einwohner. Zweifellos ein Ort, in dem man nicht unbedingt gewesen sein muss … wäre da nicht der „SIGN  POST  FOREST“, ein Schilderwald, wie ihn alle in unserer Heimatstadt bestens kennen. Dieser Ort nämlich war es, der dem Hofer Klaus Beer die Inspiration für die Gründung des Fernwehparks an den Saaleauen gab.

 

Wir schlendern durch die unzähligen Schilderansammlungen auf der Suche nach dem Ortsschild von Hof und finden zu unserer Überraschung das Ortsschild von Oberkotzau. Aufgrund der aktuellen Diskussion über den Umzug des Hofer Fernwehparks ins benachbarte Oberkotzau, kann dies doch kein Zufall sein, oder?

 

Viel bemerkenswerter jedoch ist, dass wir an herausragender Position das Ortsschild von Zirndorf finden, dem Wohnort von Otto Pawlik, und darunter das Autokennzeichen FÜ-P 6739, das frühere Nummernschild unseres Fahrzeugs. Damit ist bewiesen: OTTO und Otto waren schon mal hier!

 

#REISEN, WIE GEHT DAS?

„Thomas, als Goldsucher bist du oft allein in der Wildnis unterwegs. Wie war deine erste Begegnung mit einem Grizzlybären ……?“

... im Yukon, 23. Juli 2016

Urlaub machen kennt fast jeder. Aber Reisen? Braucht man dafür einen genauen Plan, ist es wichtig, viele Reiseführer gelesen zu haben? Auf diese Fragen wird man unterschiedliche Antworten erhalten. Man fährt mit der Landkarte auf dem Schoß und will eine genaue Strecke zurück legen, hat weiteres Infomaterial griffbereit. Aber wo macht man Halt? Was lässt man links oder rechts des Weges liegen? Wir wissen es nicht. Manchmal haben wir ein schlechtes Gewissen, so zum Beispiel, als wir die in dieser Jahreszeit überlaufenen Niagara-Fälle ausließen oder durch Ottawa einfach so durchrauschten.

 

Je länger wir unterwegs sind, umso mehr vertrauen wir unserer Intuition. Sehenswürdigkeiten abarbeiten ist nicht unser Ding. Wir sind neugierig auf Vieles und an manchem uninteressiert. Dass wir aber auf dem für uns richtigen Weg sind, bestätigt wieder einmal die nächste Geschichte …

#VOM SUCHEN UND FINDEN

Plötzlich war er da: Thomas. Am Campbell-Highway, einer weniger frequentierten Route, treffen wir ihn im Visitor-Center von Faro. Sympathisch oder nicht, das ist Sekundensache. Vielleicht war es auch sein österreichischer Dialekt, der zum Yukon passt, wie die Bremer Stadtmusikanten zu Schneewittchen. Seine Erscheinung jedoch ist yukon-typisch. Wir mögen ihn auf Anhieb. Er ist „unser Mann aus den Bergen“. Wir verabreden uns auf ein Bier an seinem Lagerfeuer. Thomas ist Goldsucher und deshalb bringen wir als kleines Gastgeschenk ein vierblättriges Kleeblatt mit, das ich am Vortag fand.

 

Seit nunmehr fünf Jahren kommt er mehrere Monate im Jahr in den Yukon, um in seinem eigenen Claim nach Gold zu schürfen. Sein registrierter Bereich liegt an einem schwer zugänglichen Flussbett im Nirgendwo. Bereits der Transport von Equipment und das Einrichten des Lagers vor Ort sind wegen langer Fußmärsche langwierig und kräftezehrend. Er liebt das Alleinsein in der Wildnis und es lohnt sich für ihn. Seine positive Ausstrahlung lässt daran keinen Zweifel aufkommen. Nicht nur mental ist er eine starke Erscheinung, auch praktisch weiß er genau was zu tun ist. Wir erleben, wie man ein Lagerfeuer richtig zelebriert. Trockene Birkenrinde zum Entfachen des Feuers hat er parat. Darauf kommen kleine, zurecht geschnittene Späne und dann größere Holzscheide, mal mit der Rinde nach oben oder unten, je nachdem, wie schnell das Feuer abbrennen soll. Ganz wichtig ist auch ein Feuerstock, mit dem man die Holzscheide in der Glut richtig platzieren kann. Von Zeit zu Zeit legt er Fichtenzweige hinzu. Wilde Tiere, besonders Bären, deuten den Geruch verbrannter ätherischer Öle als Waldbrand und halten Abstand.

 

Es ist eine feuchtfröhliche Nacht. Nach dem zweiten Whisky geraden wir ins Philosophieren. Es geht um das Thema „Träume leben“ und darum, den Lebensinhalt zu finden, der „dein Herz zum Singen bringt“. Aber warum schaffen es die Einen und die Anderen nicht? Der dritte Whisky hilft bei der Antwort.

 

Thomas prägt den weißen Spruch:

„Diejenigen, die wollen, finden Wege. Diejenigen, die nicht wollen, finden Gründe!“

#Dempster – Road to Nowhere

Der Dempster-Highway ist eine 770 Kilometer lange Gravel Road, also eine nicht asphaltierte, staubige und rauhe Schotterpiste. Sie ist die einzige Möglichkeit in Kanada, mit dem Fahrzeug über den Polarkreis hinaus zu fahren. Endstation ist derzeit noch die Stadt Inuvik, circa 400 Kilometer nördlich des Polar Circle. Inuvik in den Northwest Territories, fast am Polarmeer, stellt den nördlichsten Punkt unserer Reise dar. Auf der gesamten Strecke gibt es lediglich drei Ortschaften. Die erste Tankstelle erreicht man nach 400 Kilometern, was aber bei unserem Tankvolumen kein Hindernis darstellt.

 

Früher war diese Straße ein Pfad der Gwitchin-Indianer, später wurde sie als Hundeschlitten Trail genutzt. Benannt ist der Highway nach William John Duncan Dempster, der in den 30ern des vorigen Jahrhunderts mit seinem Hundeschlittengespann bei -40°C Patrouille für die Royal Canadien Mounted Police fuhr (Quelle: www.geo.de/Reisecommunity).

 

Wir tanken voll, lassen Luft aus den Reifen und verpassen unserem OTTO noch das selbstgebastelte Steinschlagnetz zum Schutz der Windschutzscheibe vor aufgewirbelten Steinen entgegenkommender Fahrzeuge (an dieser Stelle vielen Dank und liebe Grüße an unseren Freund André, der sich tatkräftig am Bau des Schutzgitters beteiligt hat).

 

Die Strecke verläuft durch mehrere, fast unbewaldete Gebirgszüge und Tundra. Diese für uns ungewohnte Landschaft ist überaus spektakulär und versetzt uns wegen des grandiosen Weitblicks immer wieder in Erstaunen.

 

Am Abend gegen 22 Uhr erreichen wir den Polarkreis. Die Sonne strahlt im besten Licht und wird nur kurzzeitig am Horizont verschwinden. Wir finden einen einsamen Stellplatz, betrachten die endlose Landschaft und lauschen der vollkommenen Stille.

 

Am nächsten Morgen machen wir uns weiter auf nach Norden. Unweit der Piste entdecken wir auf etwa 200 Meter Entfernung eine Grizzlybärin mit zwei ihrer Jungen. Lange können wir sie beobachten und sind unbeschreiblich gerührt, als wir diese Bärenfamilie in freier Natur spielen sehen.

 

Die Landschaft wir auf den nächsten 300 Kilometer eintöniger und lediglich zwei Fährpassagen über den Peelriver und den Mackenzie-River sorgen für neue Eindrücke. Im kleinen Fährhafen gelingt es uns noch, einen Weißkopf-Seeadler zu fotografieren.

 

Inuvik selbst ist, naja, nicht mit besonderen Sehenswürdigkeiten gespickt, aber die Sonne lacht und es ist unerwartet warm. Im Visitor-Center bekommt man einen guten Einblick in das frühere Leben der hier ansässigen First Nations.

 

Erwähnenswert ist noch der seltsame 6-Loch-Golfplatz am Ortseingang, aber der gehört in die Rubrik „Golfplätze“.

 

zum Golfplatz

... auf dem Dempster-Highway, 24. - 28. Juli 2016

# I love Dawson City

Bereits nach fünf Minuten fühlen wir uns hier wohl. Die Stadt ist klein, schachbrettartig angelegt und schnell überschaubar. Die Fahrbahnen zwischen den kleinen Holzbauten sind ungeteert, die Gehsteige entlang der Häuser aus Holzbohlen gefertigt. Alles erinnert an eine Westernstadt. Doch Dawson City ist kein Museum. Hier steppt der Bär in bester Western- und Goldsucherlaune. Die Kneipenkultur ist urig und schräg. Im Hafen am Zusammenfluss von Yukon und Klondike liegt ein alter Raddampfer. Es gibt den Generalstore, einen bestens sortierten Hardware-Laden, das Downtown-Hotel sowie das Casino und viele Saloons wie das Pit mit Livemusik. Aufgrund der Kulturszene überrascht es nicht, dass sich sehr viele junge Leute hier aufhalten. Auch Thomas, den Goldsucher aus Faro, treffen wir wieder.

 

An unserem ersten Abend sitzen wir im Downtown-Hotel und dort im Sourdough-Saloon. Die Touristenattraktion ist der „Sourtoe-Cocktail“, wobei man die berühmte abgefrorene Fußzehe im Cocktailglas serviert bekommt und diese bis zum vollständigen Austrinken mit den Lippen berühren muss. Der Andrang ist groß und viele, die den Ekel überwinden, erhalten das begehrte Zertifikat.

 

Mit unseren weißen T-Shirts und sauberen Schuhen wirken wir wie zwei Außerirdische. Der Dresscode in Dawson ist leger, zweckmäßig. Naturfarbener Zwiebellook ist angesagt. Gummistiefel sind salonfähig.

 

Thomas zeigt uns „seine Stadt“ und geht mit uns shoppen. Am nächsten Tag begleiten wir ihn mit unseren überarbeiteten Outfits zum Bonanza-Creek. Hier wird noch immer aktiv nach Gold geschürft. Wir besichtigen den Dredge #4, einen Eimerketten-Schwimmbagger, der bis 1966 in Betrieb war. Ein wahres Monster aus Stahl und Holz. Anschließend fahren wir auf den „Midnight Dome“, einen Berg, der 600 Meter über der Stadt liegt und einen 360°-Rundumblick bietet. Wagemutige Gleitschirmflieger stürzen sich in die Tiefe.

 

Gemeinsam mit Thomas verbringen wir vier sehr unterhaltsame Tage. Zum Abschluss führen wir Thomas auf für ihn unbekanntes Terrain. Hans-Jürgen nimmt ihn mit auf den nahegelegenen Golfplatz am Top-of-the-World-Highway.

 

Der Abschied fällt nicht leicht, Thomas fährt zurück nach Faro, um weiter in seinem Claim zu arbeiten und wir machen uns auf das letzte Stück Weg nach Alaska. Wir sind uns sicher, dass wir uns irgendwann, irgendwo wiedersehen.

Midnight-Dome, Aussichtspunkt über Yukon und Klondike

... auf dem Yukon

Dawson City, DownTown-Hotel, Home of the world famous SourToe Cocktail

www.downtownhotel.ca

... Dawson City, 29. Juli - 01. August 2016

zum Golfplatz

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