BRASILIEN

 


Hans wuchtet unsere Rucksäcke ins Mietauto. Was jetzt nicht mit an Bord ist, haben wir entweder vergessen oder mussten es umständehalber zu Hause lassen. Der mit Sorgfalt und Bedacht ausgesuchte Gasgrill, der auch als Outdoor-Backofen fungieren sollte, hat es leider nicht bis in den Rucksack geschafft ... zu sperrig, zu schwer! Macht nichts, wir sind ja bisher auch ohne ihn ausgekommen.

Bevor wir unsere Haustüre abschließen, machen wir noch einen letzten Kontrollgang durchs Haus. Der goldene Oktober lässt unseren Garten in den schönsten Farben leuchten. Kurz halte ich inne, betrachte den großen gemütlichen Esstisch, an dem wir in den letzten Wochen so viele schöne Abende mit Freunden und Familie verbrachten. Spontan hätte ich jetzt Lust, Pilze sammeln zu gehen. Doch daraus wird heuer nichts mehr. Alles hat seine Zeit und wir müssen los.

Auf der Fahrt nach Frankfurt herrscht Stille im Auto. Noch können wir uns nicht vorstellen, dass wir in einigen Stunden in unserem rollenden Zuhause in Uruguay sein werden und unser Reiseabenteuer weiter geht. Abflug Frankfurt 21.50 nach Buenos Aires, Flugzeit fast 14 Stunden. Aber wir wissen, dass es noch „dicker“ kommen wird.

Je mehr sich der Abstand zur Heimat vergrößert, verschieben sich die Welten und es kommt Vorfreude auf. Was werden wir auf der nächsten Reiseetappe wieder alles erleben? Ausgeruht und fröhlich kommen wir in Buenos Aires an, ... doch wir müssen nach Montevideo. Dachten wir noch bei der Flugbuchung, dass beide Städte nur einen Katzensprung weit auseinander liegen, so ist es doch noch eine Odyssee bis wir unser eigentliches Ziel erreichen.

„Wer ist so blöd und fliegt nach Buenos Aires, wenn er nach Montevideo muss?“ frage ich Hans, während er mir den viel zu schweren Rucksack aufsetzt. Das ist ungefähr so, wie wenn du nach Mallorca fliegen willst, in Barcelona aussteigst, um den Rest der Strecke zu schwimmen, mit Gepäck wohlgemerkt, umständlicher geht’s wohl nicht? 

 

Buenos Aires ist die Hauptstadt von Argentinien und Montevideo die von Uruguay. Dazwischen liegt die sehr breite Mündung des Rio de la Plata. Los geht’s mit dem Taxi vom Flughafen Buenos Aires zum Fährhafen. Zwei megaschwere große Rucksäcke, zwei kleine schwere Rucksäcke und ein kleiner Koffer, voll mit Technik und Büchern, quälen sich, ohne Gepäckwagen, auf vier Beinen durch die dortigen Zoll- und Sicherheitsbereiche, um dann, in eineinhalb Stunden mit dem Schiff hinüber nach Uruguay, nach Colonia del Sacramento, zu fahren. Dort angekommen muss umgeladen werden und zwar auf den Bus. Nach drei weiteren Stunden Fahrt erreichen wir dann Montevideo, wo uns glücklicherweise Felix (vom UY-Storage) und sein kleiner Sohn erwartet. Schnell ist unsere Fracht auf seinem Dodge-Pickup verladen und nach einer weiteren Stunde stehen wir vor unserem OTTO. Sogleich hat er uns in seine Arme genommen, alles war wieder gut und die 36 Stunden Reisezeit schnell vergessen.


An dieser Stelle ein Tipp: Wenn man sein Auto in Montevideo einstellt, nach Europa und wieder zurück möchte, dann gibt es nur einen logischen Flughafen, nämlich Montevideo, auch wenn es von dort keinen Direktflug nach Deutschland gibt und man zum Beispiel in Paris einen Zwischenstopp einlegen muss. Ich bin überrascht wie uns so ein blöder Anfängerfehler passieren konnte.

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10. Oktober 2019

IGUAZU WASSERFÄLLE

Brasilien nimmt 47 Prozent der Landfläche von Südamerika ein. Auch in diesem Land wollen wir uns einiges anschauen. Recht zügig, bevor die Regenzeit einsetzt, machen wir uns auf den Weg und fahren 1000 Kilometer Richtung Norden. Unser erstes Ziel sind die zum Weltnaturerbe der UNESCO gehörenden Iguazu-Wasserfälle, direkt am Grenzverlauf zwischen Brasilien und Argentinien. Hier stürzt sich der Rio Iguazu in zahlreichen Kaskaden bis zu 82 Meter in die Tiefe. Ein imposantes, tosendes Schauspiel. Neben den Niagara-Fällen in Kanada und den Victoria-Fällen in Zimbabwe zählen die Iguazu-Wasserfälle zu den Mächtigsten der Erde.

10. Oktober 2019

1/10

TRANSPANTANEIRA

Wir haben gelesen, dass es in Südamerika einen Ort gibt, an dem die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, Jaguare beobachten zu können. Porto Jofre am Rio Cuiabá im tropischen Pantanal gilt als besonders guter Ausgangspunkt für eine Jaguar-Safari. Um dorthin zu gelangen, müssen wir nochmal fast 2000 Kilometer weiter in den Norden von Brasilien fahren, um über Campo Grande, Cuiabá und Poconé die Transpantaneira zu erreichen. Diese 150 Kilometer lange, mit roter Erde aufgeschüttete Straße führt dann fast schnurgerade, über etwa 120 zum Teil abenteuerliche, baufällige Holzbrücken durch ein atemberaubendes und tierreiches Feuchtgebiet in die Pampa.

Ende Oktober 2019

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JAGUAR   SAFARI

Am späten Nachmittag des dritten Tages auf der Transpantaneira erreichen wir das Jaguar-Camp bei Porto Jofre. Hier werden, neben Biologen und Profifotografen aus aller Welt, auch Touristen beherbergt. Es gibt nur wenige Zimmer und einen zentralen Aufenthaltsraum mit Restaurant. Wir dürfen Otto mitten im Camp platzieren. Nur mit dem Buschflieger oder über die beschriebene Transpantaneira ist dieser Ort zu erreichen. Wer hier herkommt will vor allem eines, Jaguare sehen. Ailton, der Betreiber dieses Öko-Camps ist sich dessen bewusst und meistert den Spagat zwischen Naturschutz und Tourismus. 

 

„Von Menschen hat der Jaguar hier nichts zu befürchten“, erläutert er anwesenden Gästen aus Russland, England und Deutschland bei einem Vortrag nach dem gemeinsamen Abendessen. Das war jedoch nicht immer so. Bis in die achtziger Jahre wurden Jaguare im Pantanal massiv gejagt. Als Kind kannte Ailton nur tote Jaguare. „Voller Stolz hätten die Kinder der Farmer in der Schule Bilder der erlegten Raubkatzen gezeigt“, erzählt er. Natürlich sei es vorgekommen, dass ein Jaguar auch einmal ein Rind gerissen habe, aber das sei nicht der eigentliche Grund für das Töten gewesen. Als Trophäe hingegen erbrachte ein toter Jaguar vor allem gesellschaftliche Anerkennung für den Erleger und so mussten viele der prächtigen Tiere ihr Leben lassen.

 

Heute ist alles anders. Die Tiere in diesem Gebiet sind geschützt und Ailton und sein Team sorgen dafür, dass es so bleibt. Fasziniert berichtet er von ihrer Kraft und Eleganz. Im Gegensatz zu anderen Großkatzen wie Löwe, Tiger oder Leopard tötet der Jaguar seine Opfer nicht mit Prankenhieben oder Bissen in den Nacken, sondern durch einen einzigen Biss in den Kopf. Menschen empfänden solch‘ einen Angriff oft als besonders grausam, dabei sei es für das Beutetier ein schneller Tod, erklärt er seinem internationalen Publikum.

 

Auf dem amerikanischen Kontinent soll es zwischen 15.000 und 25.000 Jaguare geben. Die Tiere ähneln zwar Leoparden, sind aber eher mit Tigern vergleichbar. Männchen wiegen im Schnitt um die 120 Kilogramm. Ursprünglich waren Jaguare auch im Süden der USA verbreitet, mittlerweile findet man sie aber nur noch in Mittel- und Südamerika. Wie Tiger leben Jaguare am Wasser und sie entfernen sich meist auch nicht allzu weit davon. „Hier am Rio Cuiabá gibt es Wasserschweine und Kaimane im Überfluss. Da kein Jagddruck herrscht, können die Jaguare hier ein weniger verstecktes Leben führen. Eure Chancen, morgen einen Jaguare zu sehen, sind deshalb wirklich sehr hoch“, verspricht er uns. Dann werden wir noch in drei Gruppen eingeteilt.

 

„Wir werden um 5:30 Uhr bei Sonnenaufgang starten, 4 Stunden wird unsere erste Pirschfahrt dauern. Das Mittagessen nehmen wir dann gemeinsam im Camp ein und um 14 Uhr starten wir erneut zu einer weiteren 4stündigen Fahrt ins Revier“, so erklärt er uns den Ablauf des nächsten Tages und zieht sich zurück.

 

Um 4 Uhr am nächsten Morgen sind wir wach. Die Köchin bereitet bereits das Frühstück für alle Teilnehmer zu. Ailton steht im Pirsch-Outfit auf der Terrasse mit einem Topf Kaffee in der Hand. Er beobachtet die Teilnehmer aus Moskau, die ihr Equipment noch einmal prüfen und bereitlegen. Auch im Ottomobil herrscht Hochbetrieb. Präpariert mit Sonnencreme und Moskitoschutz sind wir die Letzten beim Frühstück.

 

Langsam geht die Sonne auf, der Dschungel erwacht. Ailton und seine Männer fordern zum Aufbruch auf. Stillschweigend zieht die Karawane durch den Dschungel ans Ufer zu den Booten.

 

Das Pantanal dehnt sich über 230.000 Quadratkilometer aus und ist damit etwa so groß wie Großbritannien. Langsam nehmen die Boote Fahrt auf, während die Kaimane das Weite suchen. Im wilden Ritt jagen wir gegen die Strömung den Fluss hinauf und biegen dann in einen schmalen Seitenarm ab. Unser Bootsführer geht vom Gas. Die Sonne lässt den Fluss glitzern, während sich die Landschaft im Wasser spiegelt.

 

Wir sind nicht weit vom Ufer entfernt, doch den Reiher auf einem nahen Baum stören wir nicht im geringsten. Nichts bewegt sich, kein Ton ist zu hören, die Szenerie wirkt wie eine Photographie. Wir erschrecken, als der Reiher mit lautem Gekreische abhebt und verschwindet. Gleichzeitig nehmen wir wahr, wie sich das Schilf am Ufer bewegt ...

Insgesamt sehen wir an diesem Tag auf zwei Pirschfahrten vier Jaguare. Einen davon können wir fast zwei Stunden beim Jagen begleiten. Nie hätten wir uns träumen lassen, einmal Teil einer solchen Expedition sein zu können. Am Abend feiern alle Teilnehmer der Truppe diesen für uns erfolgreichen Tag. Wir schließen Freundschaft mit den Russen, die uns nach Moskau einladen und auch mit den Franzosen tauschen wir Visitenkarten. Ich sehe, wie Ailton alleine draußen auf der Terrasse ein Bier trinkt. Man sieht ihm an, dass auch er zufrieden ist, weil sein Konzept vom Ökotourismus zum Schutz der Jaguare wieder einmal sinnhaltig war.

Ende Oktober 2019

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Auf der Suche nach dem Ursus Magnus Ameisis (Myrmecophaga tridactyla)

 

(... inspiriert durch die bekannten Tierfilmer und Filmemacher Arendt und Schweiger, die wir immer sehr bewundert und deren Sendungen wir mit Leidenschaft verfolgt haben ...)

Die weltgewandten Tierbeobachter Etzend und Laugisch (Ähnlichkeiten mit anderen Personen jedweder Art wären rein zufälliger Natur) befinden sich seit Tagen in einem der größten Binnenfeuchtgebiete der Erde. Ort des Geschehens ist das Pantanal im Westen Brasiliens, nahe der Grenze zu Bolivien. Nach dem Jaguar-Abenteuer im nördlichen Pantanal in der Flusslandschaft bei Porto Jofre, erkunden die beiden inzwischen eine wenig befahrene Route im südöstlichen Teil dieses Naturparadieses. Diese führt von Rio Verde de Mato Grosso etwa zweihundert Kilometer nach Aquidauana (BR 427 und BR 419). Die holprige Waschbrettpiste mit kraterartigen Schlaglöchern führt, teils auf staubigem Untergrund und oft durch rotschlammigen Matsch, tief hinein ins südamerikanische Outback. Der nächste Ort ist Stunden entfernt. Die Savannenlandschaft wirkt eintönig, aber sie haben die zahlreichen Hügel im Grasland, eigentlich sind es rote Türmchen, kunstvoll gebaut von Termiten, nicht übersehen. Hier sind sie ihrem Ziel sehr nahe.

 

Etzend entdeckt sie zuerst, die Spuren im Staub. Sie stoppen ihr schweres Gefährt, stellen den Motor ab, steigen aus und begutachten die Trittsiegel auf dem Fahrweg. Groß sind sie, größer als ein Handteller und ganz frisch. Auf diese Gelegenheit haben sie gewartet. Sofort wird die Kameraausrüstung geschultert und das Gelände hinsichtlich aller Bewegungen abgeglast. Langsam, leise und in tieferer Gangart bewegen sie sich durch das harte Savannengras, durch stacheliges Gestrüpp. Sie verzichten auf den Einsatz der Machete, um geräuschlos vorwärts zu kommen. Und da steht er, auf einer Lichtung unter einem schattenspendenden Baum, gerade damit beschäftigt, einen Termitenhügel zu traktieren, ... der Große Ameisenbär. Wieder einmal wurde die Ausdauer und Zähigkeit von Etzend und Laugisch mit großartigen Aufnahmen belohnt. (Hans-Jürgen, im November 2019, mit besonderen Grüßen nach Königwinter an die Vorzeige-Biologen Ulrike und Friedhelm)

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Auf dem Weg von Uruguay in den Norden des Pantanal waren wir immer auf direkter Strecke unterwegs, um möglichst vor der anstehenden Regenzeit die Transpantaneira zu fahren, was uns dann auch geglückt ist. Das bedeutete fünf Tage fahren, fahren, fahren, an Tankstellen übernachten und am nächsten Morgen weiter Kilometer schrubben. Schließlich waren ja 3000 Kilometer gen Norden zurück zu legen.

 

Auf dem langen Rückweg Richtung Süden gehen wir es gemütlicher an und finden zurück zu unserer normalen Reisegeschwindigkeit. Natürlich sitzen wir erneut viele Tage im Auto, doch bei der Suche nach Übernachtungsplätzen geben wir uns wesentlich mehr Mühe und biegen von der asphaltierten Hauptstraße auf die roten Erdstraßen ab. Sofort sind wir dann wieder im grünen Paradies. Papageien und Tukane beobachten das Ottomobil auf der Suche nach geeigneten Stellplätzen. Meist ist der nächste klare Fluss nicht weit, so dass wir nach langen Fahrtagen Abkühlung in Naturschwimmbecken und unter kleinen Wasserfällen finden. Brasilien ist wirklich paradiesisch, täglich überrascht uns dieses schöne Land aufs Neue.

ABKÜHLUNG

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Die Gegend um die kleine Stadt Bonito im südlichen Pantanal ist bekannt für glasklare, fischreiche Flüsse. Nahezu unberührt schlängelt sich der schmale Rio Sucre durch das Dschungelgrün.

 

"Macht absolut nichts, was das Wasser aufwühlen könnte, berührt nicht den Boden beim Schwimmen, bleibt ganz ruhig und bewegt euch langsam", befiehlt Vitorio, unser Guide. Mit Neoprenanzug stehen wir bis zum Bauchnabel im seichten Wasser, probieren die Tauchmasken mit Schnorchel aus und üben das Schweben im Wasser. Erst als er sich sicher ist, dass alle Teilnehmer seine Anweisungen verstanden haben, steigen wir in ein kleines Boot und fahren den Flusslauf hinauf.

 

An einer Holzbrücke heißt es aussteigen und sogleich lassen wir uns nacheinander vorsichtig ins Wasser gleiten. Die Strömung trägt uns sanft abwärts. Während Hans schon fischgleich im Wasser liegt, fällt es mir bei der geringen Wassertiefe schwer, den Fuß aufzusetzen. Erst nach ein paar Minuten gelingt es mir zu entspannen und den Kopf ständig unter Wasser zu halten. Verblüfft schaut mir ein großer Fisch zuerst in die Augen und schwimmt dann "kopfschüttelnd" weiter. Begeistert von der mir bisher unbekannten Welt fühle ich mich bald wie Dorie in "Findet Nemo", die hinter jedem Stein etwas Neues entdeckt. Nach einer guten Stunde im Wasser erreichen wir sichtlich beeindruckt wieder unseren Ausgangspunkt. 

FRISCHE FISCHE

JUANITA

Der kleinen Stadt mit dem verheißungsvollen Namen Bonito (hübsch, schön) können wir zunächst nur wenig abgewinnen. Aufgrund der Schnorchel-Tour und einem schönen Platz an einem Hostel mit gutem WiFi halten wir uns jedoch drei Tage in dem Örtchen auf. Wir haben mal wieder Lust auf Essengehen, wobei wir es uns zur Angewohnheit gemacht haben, ein Lokal sorgfältig auszusuchen und dann mehrere Tage hintereinander dort hinzugehen. Meist wird man bereits am zweiten Tag besonders herzlich begrüßt und wie ein Stammgast behandelt.

 

In Bonito entscheiden wir uns für das einfache, aber sehr gut bewertete Restaurant JUANITA. An drei Abenden hatten wir Gelegenheit, das Wirken der Chefin, nach der das Lokal benannt ist, zu beobachten. Bereits am ersten Abend fiel uns auf, wie sie mit Argusaugen nicht nur jedes Gericht begutachtete, das die Küche verließ, sondern weiterhin verfolgte, wie die Gäste beim Servieren auf das ihnen vorgesetzte Essen reagieren. Dabei wirkte sie couragiert und streng, der Erfolg gibt ihr recht. Jeden Abend ist das Lokal rappelvoll, die Belegung der Tische wechselt mehrfach, alle Ober arbeiten Hand in Hand, aber trotzdem keineswegs hektisch oder genervt, obwohl sich vor der Eingangstüre schon wieder eine kleine Warteschlange gebildet hat.

 

Juanita lächelt uns schon von weitem zu, als sie sieht, wie wir am zweiten Abend ihr Lokal betreten. Mit einladender Geste zeigt sie auf den Tisch an dem wir gestern saßen. Kurz darauf fragt uns der Kellner, ob wir damit einverstanden wären, wenn uns Juanita ein Menü zusammenstellen würde, die Küche wäre bereits instruiert. So mögen wir das ... und das lästige Übersetzen der portugiesisch brasilianischen Speisekarte entfällt.

 

Hatten wir gestern, nach einer grünen Vorspeise, Fisch gewählt, so bekommen wir an diesem Abend ein fulminantes Fleischgericht vom Rind serviert, auf den Punkt gegart und unglaublich zart. Es schmeckt wieder köstlich, ohne viel Schnickschnack, handwerklich auf einem sehr hohen Niveau.

 

Am dritten Abend, nachdem wir wieder bestens gegessen hatten, war es uns ein besonderes Bedürfnis, dieser kräftigen mannhaften Frau ein Kompliment für ihre Arbeit und ihren Fleiß auszusprechen. Sie freute sich sehr über diese Geste und nahm uns sogleich mit in die Küche. Wir staunten nicht schlecht, wie dort an allen Ecken und Enden gewerkelt, mit Dampf gegart und über offenem Feuer gegrillt wurde. Unter vorgehaltener Hand verriet sie uns ein paar ihrer Geheimnisse für besonders zartes Fleisch. Danke liebe Juanita, wir waren gerne bei dir zu Gast.                                                                              (im November 2019)

Seit zwei Tagen machen wir wieder mal Strecke, um aus der schwülen Hitze der Tropen heraus zu kommen. Ganz zufällig erblicken wir einen Golfplatz rechts der Straße und biegen ab. Die Frage von Hans, ob er hier seine Schläger schwingen darf und ob wir noch ganz nebenbei mit unserem Fahrzeug auf dem Gelände stehen bleiben können, wird sofort bejaht. Eduardo, ein junger dynamischer Versicherungsagent, holt ihn sofort mit seinem Cart ab und schon stehen sie am Abschlag Nummer 1. „Heute ist Men’s Day“ auf Pine Hill, erklärt er ihm beiläufig und schreibt seinen Namen auf die Score-Card. Er spielt eine 8 über, wohlgemerkt auf 9 Löchern. „Not bad“, meinte Eduardo.

 

Selbstverständlich sind wir auch beim abendlichen Buffet herzlichst eingeladen und von unbeschreiblicher Gastfreundschaft umgeben, obwohl wir nahezu kein Wort portugiesisch sprechen. Ein bisschen Englisch kann jeder und außerdem haben alle ihre Wurzeln in Europa, zumindest Generationen zuvor.

PINE HILL GOLFCLUB

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LACTOBOM

Wir lernen Roberto Bombardelli kennen. Seine Familie stammt, wie sein Name unschwer erraten lässt, aus Italien und ist 1923 nach Brasilien ausgewandert. Aus kleinen Anfängen heraus haben sie ein Unternehmen aufgebaut, das Milch und Milchprodukte herstellt. Roberto lädt uns ein, den Betrieb zu besichtigen. 

Natürlich nehmen wir sein Angebot an, denn es sind gerade solche Erlebnisse und Begegnungen, die uns fremde Länder näherbringen. So ziehen wir um mit unserem „Casa Móvel“ (Haus auf Rädern) auf das weitläufige Firmengelände vor das große Haus von Robertos Bruder Renato. 

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Am Abend werden wir mit einem Barbecue überrascht. Renato bringt Eduardo und Marcello und weitere Freunde vom Golfplatz mit. Es wird gekocht und im offenen Kamin gegrillt, unkompliziert und herrlich italienisch. Während am Herd das Risotto blubbert, werden der Esstisch ausgezogen und viele Stühle aufgestellt. Nach und nach treffen auch die dazugehörigen Frauen ein. Die Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit der Familie uns gegenüber ist unglaublich.

War ich bisher die einzige Frau in dieser lustigen Männerrunde, bin ich jetzt umzingelt von brasilianischen Schönheiten. Eine von ihnen war, vor ein paar Jahren, sogar gewählte „Miss Brasil“. Inmitten dieser wundervollen Frauen fühle ich mich wie Inge Meysel bei Heidi Klum‘s Casting Show. „Such‘ das nächste Mauseloch und spring‘ schnell rein“, meldet sich mein Unterbewusstsein. Doch die Mädels behandeln mich wie ihre beste Freundin und verwickeln mich pausenlos in ein Gespräch. Interessiert und begeistert sitzen wir zusammen. Sie wollen alles wissen, über uns und unsere Reise. Da wir uns auf Englisch unterhalten, ist mein Gehirn so beansprucht, dass ich mich nicht weiter mit meinen Komplexen beschäftigen kann. Wir genießen einen lustigen Abend mit köstlichem Essen in mitten dieser fremden Menschen und es fühlt sich an, als wären wir schon immer Freunde mit der gleichen Leidenschaft für Golf. (im November 2019)