Kolumbien

Cartagena, Chicamocha, Villa de Leyva, Nemocon, Zipaquira, Guatape, Medellin, Salento, Silvia, Trampolin de la Muertes                                                                                                                                                                                                                                                         Mai - Juni 2018                                                                    

CARTAGENA, DIE SCHÖNE !

Während unsere Autos noch auf dem Atlantik Richtung Südamerika schippern, beziehen wir alle ein bei AirB&B gebuchtes Appartement in Cartagena. Nach den entbehrungsreichen Tagen auf dem Segelboot fühlen wir uns hier wie im Schlaraffenland. Stundenlang schlendern wir durch die romantische Altstadt der für uns schönsten aller Kolonialstädte. Dezent und warm sind die malerischen Gassen beleuchtet. Bunte Pferdekutschen beleben das Stadtbild. Das gleichmäßige Klappern der Hufe inmitten dieser schönen Umgebung wirkt märchenhaft unwirklich. Die Auslagen in den Geschäften sind hochwertig und geschmackvoll. Es gibt kleine familiengeführte Restaurants, die in Ausstattung und Qualität einen Vergleich zu Europa nicht scheuen müssen. Wir fühlen uns hier schnell wohl und finden jeden Abend einen neuen Grund zum Feiern, zum Beispiel ... unseren 30sten Hochzeitstag, der wenige Tage zuvor auf dem Segelboot buchstäblich untergegangen ist, ... Hans-Jürgens Geburtstag am 16. Mai ... und  unsere Ankunft in Südamerika. Einfach herrlich !

 

Am 18. Mai erreicht uns die Nachricht, dass Hans-Jürgens 87jährige Patentante nach einem Oberschenkelhalsbruch zum zweiten Mal operiert werden muss und von den Ärzten der Klinik eine persönliche Vorsprache einer der Bevollmächtigten (das sind wir) verlangt wird. Nur sechs Stunden später sitze ich alleine im Flugzeug und bin auf dem Weg nach Hause. HJ kann nicht mitkommen, da er unseren OTTO nach der Überfahrt hier in Cartagena persönlich in Empfang nehmen muss. Es wird deutlich, wie empfindlich und wertvoll jeder Moment unseres persönlichen GLÜCKES ist.
 

MÄNNERSACHE

In den folgenden Tagen bleibt mir (HJ) nur wenig Zeit zum Nachdenken. Von der Reederei erhalten wir die Nachricht, dass unsere Fahrzeuge in Cartagena angekommen sind und wir mit den aufwändigen Zollformalitäten beginnen können, um sie im Hafen auslösen und in Empfang nehmen zu können.


Gemeinsam mit Bernhard und Andreas ziehe ich los in Richtung Hafengelände. Es ist heiß, sehr heiß und schwül. Wir suchen das zuständige Büro, hier ein Formular, warten, dort ein Stempel, warten, noch mehrere Kopien, dann Mittagspause, warten, laufen zum Bankschalter, einzahlen, Quittung, Stempel, zurück, nächstes Büro suchen, finden, Formular ausfüllen, Stempel, Kopien, dann zum Hafenbüro, Sicherheitscheck, warten und schon war der erste Tag rum. Am nächsten Tag ein ähnliches Prozedere, laufen, suchen, warten, Stempel, Kopien ... dann endlich werden wir mit Warnweste und Schutzhelm ausgestattet und dürfen unter strenger Aufsicht den Containerbereich des Hafengeländes betreten.

 

Wir freuen uns wie kleine Jungs, die endlich ihre Spielzeuge zurück bekommen. Unsere Fahrzeuge stehen noch verzurrt auf den Flatracks (Containerplattformen ohne Wände). Von außen sind keinerlei Schäden zu entdecken und auch im Innenraum ist alles unversehrt. Wir atmen tief durch und sind happy. Was haben wir zuvor schon für Schauergeschichten hinsichtlich Autoaufbrüchen, Diebstählen, Beschädigungen usw. gehört und befürchtet. Bei uns ist glücklicherweise alles gut gegangen.

Die Verschiffungsabwicklung war zwar umfangreich, zeitaufwändig und manchmal nervig, aber die Hinweise in der App iOverlander waren dabei sehr hilfreich. Am späten Nachmittag des 22. Mai 2018 kann ich das Hafengelände mit unserem Haus auf Rädern verlassen. Zusammen mit Bernhard erledige ich noch die Versicherungsformalitäten. Wir sind erleichtert und glücklich und jetzt in ... Südamerika. 

STURMFREIE  BUDE

Während ich (HJ) wehmütig meiner süßen Reiseleiterin hinterher winke, die sich gerade ins Taxi zum Flugplatz setzt, stößt mich Bernhard in die Seite: „Sturmfreie Bude“ flüstert er schmunzelnd.


Tatsächlich verbringen wir die nächsten zwei Wochen auf der Strecke von Cartagena nach Bogota zusammen. Wir sind die coolste Männer-Camping-WG zwischen Nord- und Südamerika. Wir verstehen uns ganz prächtig, manchmal auch ohne Worte. Der Weg führt uns durch herrlich grüne Landschaft. Auf unzähligen Serpentinen schrauben wir uns immer höher in die Kordilleren der Anden.
 

Bernhard kocht und zaubert auf seinem Benzinkocher, ich sorge für Nachschub (insbesondere Dosenbier) und mache den Abwasch.
 

Am Canyon von Chicamocha bei Aratoca im Osten Kolumbiens schließen auch Sandra und Andreas, die noch zwei Tage länger in Cartagena geblieben sind, zu uns auf. So sitzen wir am Abend in vertrauter Runde und genießen den Ausblick über Berge und den Canyon.

Ganz in der Nähe unseres Übernachtungsplatzes (Cabanas Campestres, GPS 6.76468, -73.00721) befindet sich eine Paragliding-Schule. Aufgrund des tollen Wetters herrscht gute Thermik. Während ich den Frühstückstisch abräume, beobachtet Bernhard das rege Treiben aus der Ferne. „So einen Flug will ich schon lange machen“, murmelt er und streicht nachdenklich über seinen Bart. Wir lassen uns nicht lange betteln, den wir sind ja ein Team. Nur kurze Zeit später stehen Bernhard, Sandra und ich, ausgerüstet mit Fliegermontur und Sturzhelm auf der Absprungrampe ...

 

... ich muß zugeben, dass ich in den zwei Wochen mit Bernhard das Fotographieren schwer vernachlässigt habe. Auch dieses Video ist eine Gemeinschafts- produktion. Die Aufnahmen der Flug- passagen stammen von mir, Fotos und Videobearbeitung sowie den Zusammen- schnitt und die Vertonung hat freundlicherweise Sandra für uns alle übernommen. 

 

ALLES IN ORDNUNG

Zwei anstrengende Wochen liegen hinter mir. Tante Renate hat die Operation gut überstanden und wird in der Rehaklinik bestens versorgt. Guten Gewissens fliege ich zurück nach Kolumbien in unseren Traum. Hans-Jürgen holt mich vom Flughafen in Bogota ab und wir übernachten auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums.
 

Am nächsten Morgen fährt er zielstrebig zurück nach Villa de Leyva, wo Bernhard auf uns wartet. Auf Anhieb gefällt es mir hier und ich kann wieder richtig aufatmen. Kleine Läden mit Handarbeiten, kunstvoll gewebten oder gestrickten Ponchos, Pullis und Decken gibt es hier reichlich. Bereits am ersten Abend, bei einem kleinen Stadtbummel kann ich nicht widerstehen und probiere verschiedene Ponchos an. Ich merke, wie mich Hans-Jürgen schmunzelnd beobachtet und mir wird klar, dass er dieses Städtchen mit Bedacht ausgewählt hat, damit ich den Szenenwechsel möglichst schnell verkrafte. Für alles dankbar und glücklich kuschele ich mich in die herrlich weiche Wolle meiner neuesten Errungenschaft.
 

Eine ganze Woche bleiben wir auf dem kleinen Campingplatz mitten im Ort. Wir besichtigen das Terracota-Haus des Architekten Octavio Mendoza, den Mirador (Aussichtspunkt) mit wunderbarem Blick auf die Stadt und wandern in den San Francisco Canyon. Ganz besonders wird mir aber das nachfolgende Erlebnis in Erinnerung bleiben:
 

Open Sans ist eine freundliche Schriftart mit runden Buchstaben, die sowohl auf dem Computer als auch auf mobilen Endgeräten gut aussieht.

STRICKLIESEL


Ein Laden in Villa de Leyva hat es mir besonders angetan. Die Handarbeiten, die hier angeboten werden, sind für mich Kunstwerke und auch die Geschichte dahinter rührt mich sehr. 35 Frauen, die in der Umgebung in den Bergen leben, fertigen alle Produkte in Heimarbeit. Abwechselnd betreiben sie gemeinsam dieses Geschäft. Neben den Ponchos, Schals, Socken und Hausschuhen sind es vor allem die Hüte aus dicker Wolle, die es mir angetan haben. 

 

Dana ist eine dieser Frauen. „Wie machst du die Hüte“, frage ich sie mehr in Zeichensprache als in Worten. Spontan holt sie zwei Hocker und mehrere Packungen Wolle, dann lüftet sie für mich das Geheimnis. Ohne Nadeln, nur mit den Fingern werden diese Hüte gehäkelt. Nach der ersten Reihe übergibt sie mir die Handarbeit. Geduldig betreut und korrigiert sie meine ersten Versuche. Den kompletten Nachmittag bleibe ich bei ihr und wir arbeiten Seite an Seite.


Die Zeit vergeht und es ist schon fast dunkel. Seit einigen Stunden sitze ich nun schon hier und häkle an meinem Hut. "Bestimmt hast du Hunger", meint Dana und holt einen Korb hinter dem kleinen Ladentisch hervor. Ganz selbstverständlich teilt sie noch ihr Abendbrot mit mir. Lachend und mit vollem Mund häkle ich die letzten Maschen, bevor Dana das Kunstwerk einer abschließenden Kontrolle unterzieht. Stolz betrachten wir unser gemeinsames Werk im Spiegel. Ohne große Worte, doch mit viel Neugier, Geduld und gegenseitigem Interesse sind wir an diesem Nachmittag zu Freundinnen geworden. Danke Dana und alles Gute!
 



Seit sich die Sicherheitslage im Land verbessert hat, gilt Kolumbien in der Travellerszene als Geheimtipp. Die Salzkathedrale von Zipaquirá ist weltbekannt und nimmt unter den Sehenswürdigkeiten Kolumbiens eine der wichtigsten Positionen ein. Es war einst der deutsche Wissenschaftler Alexander von Humboldt, der die mächtigen Salzvorkommen hier in der Nähe von Bogota entdeckte und den Kolumbianern zum Abbau riet. Nachdem das Salzvorkommen zum Großteil abgebaut war, wurde die Mine stillgelegt. Zurück blieb lediglich der Altar der Bergarbeiter. Da die früheren Arbeiter ihr Bergwerk aber immer wieder besuchten, entstand in den leeren Stollen eine kleine Kathedrale, die die „alte Kathedrale“ genannt wurde.

 

Fortan kamen Pilger in immer größer werdender Zahl aus aller Welt nach Kolumbien zu dieser besonderen Gottesstädte. Dies hatte zur Folge, dass die Kathedrale aus Sicherheitsgründen im Jahr 1992 geschlossen werden musste. Gleichzeitig beschlossen die Verantwortlichen aber, mit einem größeren und noch imposanteren Neubau zu beginnen. Etwa 250 Ingenieure, Arbeiter und Lastenträger arbeiteten drei Jahre an diesem Projekt, bevor die neue „Catedral de Sal“ im Dezember 1995 für die Öffentlichkeit freigegeben werden konnte.

Unsere Erwartungen sind hoch als wir den langen, dunklen Tunnel, der 80 Meter unter die Erde führt, betreten. Die Höhenlage der Andenkordillere (hier auf 2.700 Metern), die Feuchtigkeit und der Salzgehalt der Luft belastet spürbar die Atemwege. Der Schacht führt erst an einem Kreuzgang entlang. Insgesamt 14 Stationen erinnern an den Leidensweg Jesu. Immer bildet ein monumentales Salzkreuz den Mittelpunkt, das durch blaues, violettes oder silbern glitzerndes Licht geheimnisvoll illuminiert ist. Anfänglich staunen wir noch über diese Inszenierungen, fühlen uns aber bald bedrückt. Jeder Stollen beherbergt ein Kreuz und es gibt sehr viele Stollen dort unten. Immer und immer wieder ein Kreuz. Der mystische Zauber dieses langen Kreuzganges geht uns verloren und es bleibt Schwermüdigkeit. Vielleicht ist dies sogar gewollt. Tiefgläubige Christen mögen die Interpretation des Künstler José nachvollziehen können, wir fühlen uns eher überfordert.

 

Dieser Zustand ändert sich, als wir am Ende des Ganges das mächtige 120 Meter lange Kirchenschiff betreten. Demut und Erstaunen erfasst uns. Still sitzen wir auf einer Bank vor dem Altar und lauschen dem „Ave Maria“, das hier, tief unter der Erde, erklingt. Dieser Moment berührt uns sehr und wir werden ihn wahrscheinlich nie vergessen. 
 

 ERBARMEN 

LOS 33 

Wesentlich unbekannter als die berühmte unterirdische Salzkathedrale in Zipaquirá ist eine kleine, stillgelegte Salzmine nahe dem Bergstädtchen Nemocon. Die junge Frau am Ticketschalter bemerkt wohl sofort unsere dürftigen Spanischkenntnisse, denn sie verweist ihre bestens englischsprechende Kollegin an uns. Sie hat eigentlich Feierabend, aber uns (Bernhard ist auch mit von der Partie) in die Höhle zu begleiten, lässt sie sich nicht entgehen.


Camilla entpuppt sich für uns als Glücksfall. Vieles hätten wir ohne sie nie erfahren. Während wir - mit Helm und Taschenlampe ausgerüstet - den langen Stollen unter die Erde hinabsteigen, erklärt sie uns voller Stolz, dass hier in der Mine der Hollywoodfilm „Los 33“ gedreht wurde. Dabei handelt es sich um die Verfilmung des Grubenunglücks von San José in Chile im August 2010, wobei 33 Bergleute in der Mine verschüttet wurden. In einer 69 Tage langen, sehr spektakulären Hilfsaktion konnten letztendlich alle Bergleute durch den Einsatz einer Rettungskapsel lebend geborgen werden. 

 



 

Tatsächlich ist noch das komplette Filmset unter Tage zu betrachten. Zu sehen sind sowohl der Grubengang, in dem die Männer so lange ausharren mussten, als auch die vielen notdürftig zusammengetragenen Gerätschaften und Utensilien, die daran erinnern sollen, wie erfinderisch die Bergleute waren, um ein monatelanges Überleben möglich zu machen. An dieses dramatische Ereignis können wir uns alle erinnern, den Film haben wir jedoch  noch nicht gesehen. 80 Meter unter Tage am Original-Drehort versprechen wir uns gegenseitig, diesen Film bei nächster Gelegenheit zusammen anzuschauen.

 


 


Diese Mine begeistert uns aber auch durch die betörend farbig illuminierten Bereiche. Glasklare Spiegelungen in zunächst nicht erkennbaren Salzlakebecken wirken wie begehbare Bilder und zaubern eine mystische Umgebung herbei. Ganz nebenbei sei auch erwähnt, dass die Mine den weltweit größten Salzkristall in Form eines Herzens beherbergt und natürlich fehlt es auch nicht an einer kleinen Kapelle, in der die Bergleute um ihre Unversehrtheit bitten und beten konnten.

 

 

MEDELLIN 

Die Netflix-Serie „Narcos“ erzählt anschaulich den Aufstieg und Fall von Pablo Escobar, dem größten Drogenbaron der Geschichte. Seine Heimatstadt Medellin erlebte eine lange, blutige Zeit und führte viele Jahre das Ranking um die gefährlichsten Städte der Welt an. Im Jahre 1991 gab es dort 6.810 Morde. 1993 wurde Escobar nach vielen Jahren der blutigen Verfolgung von einem Sondereinsatzkommando erschossen.

Wir fahren mit der Seilbahn, die die bergigen Außenbezirke mit dem tiefergelegenen Stadtkern verbindet. Die Stadt wirkt bemüht, die schmutzige Geschichte hinter sich zu lassen, hat aber für uns nur einen reizvollen Anziehungspunkt, die Plaza de la Bodero. Hier stehen viele der weltberühmten Bronzestatuen, die unverkennbar vom zweitbekanntesten Mann Medellins, Fernando Bodero, geschaffen wurden. Den gesamten Nachmittag verbringen wir zwischen den üppigen Figuren und im angrenzenden Museum. Eine der Figuren kennen wir auch aus unserer Heimat. In Bamberg am Fleischmarkt kann man sie bestaunen: „Die Liegende“ von Bodero. 

 

 

Auch bei dem reizenden Ort Guatapé machen wir halt. Wir richten uns auf dem großen Parkplatz zum Übernachten ein. Etwas später trifft auch der grüne Iveco von Sandra und Andreas auf dem Übernachtungsplatz ein und somit ist das Traveller-Kleeblatt wieder vereint. 

 

Guatapé liegt landschaftlich wunderschön an einem vielarmigen Stausee.  Auffällig ragt ein imposanter Monolith in die Höhe, den wir gemeinsam mit Sandra erklimmen. 600 Stufen führen auf die Plattform am Gipfel. Die Aussicht von oben, auf dieses Labyrinth ist überwältigend und macht uns sprachlos.

AUSSICHTEN 

LOCKER BLEIBEN 

Mit Bernhard fahren wir nach Solento. Im Garten eines Hostels können wir mit unseren Fahrzeugen  stehen und haben einen herrlichen Blick ins Tal. In einem weiteren Tal, hier ganz in der Nähe, wachsen die mit 60 Meter Höhe höchsten Palmen der Welt.
 

Am Marktplatz starten die Toyota-Taxis, die uns über einen Offroadweg zum „Basislager“ der Wachspalmen bringen. Auf einer Infotafel werden die Wanderrouten in das Gebiet beschrieben. In der Ferne können wir sehen, wie sich die Wege mächtig in die Höhe schrauben. Die Landschaft ist herrlich, doch die bevorstehende Tour sieht sehr stark nach einer kräftezehrenden Tortur aus.


„Was machen wir jetzt Leute? ... wollt ihr da rauf?“ stellt Bernhard die Frage in die kleine Runde und verzieht das Gesicht. „Wird `ne anstrengende Angelegenheit hier ...“, mimt er den Anführer und blickt sich suchend nach einer Alternative um.

„Es sei denn, wir kaufen uns einen Gaul“, meint er verwegen und schreitet zum Viehmarkt.


Minuten später sitzen wir alle Drei auf Pferden und reiten, an den anderen Touristen vorbei, den steilen Berg hinauf. Vorne Hans, in der Mitte der Cowboy Bernhard und ich ganz hinten. Wie gesagt, die Landschaft ist herrlich, aber ich kann den Blick von meinem Vordermann nicht lassen. Bernhards außergewöhnlicher Stil löst bei mir einen Lachkrampf aus, den ich pausenlos  unterdrücken muß, damit uns die Pferde nicht durchgehen.

 

Irgendwann erreichen wir auch tatsächlich die eindrucksvollen Wachspalmen, die bei diesem außergewöhnlichen Ausflug, neben Bernhard und seinem Pferd, nur eine unbedeutende Nebenrolle spielen.

SCHÖN WAR DIE ZEIT! 

In Belize haben wir uns kennengelernt. Monatelang sind wir mal mehr, mal weniger gemeinsam durch Zentralamerika gereist. Aus Gleichgesinnten sind echte Freunde geworden. Einer für alle und alle für einen, so hat sich jeder verhalten. Die vielen Erlebnisse, die wir teilen, werden uns sicher immer verbinden. 

 

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Wir fahren bald für drei Monate nach Hause und müssen noch bis Ibarra in Ecuador kommen, wo wir unser Auto einstellen. Bernhard will über Brasilien nach Surinam und Französisch Guayana, während Sandra und Andreas den Weg nach Süden weiter verfolgen. Unglaublich, wie wir in dieser Zeit zusammengewachsen sind. So „satteln wir die Hühner“ und fahren weiter, während die anderen zurückbleiben ...
 

VORSCHAU 

In den Bergen, nahe der Panamericana, liegt das Dorf Silvia, wo jeden Dienstag ein farbenfroher Markt stattfindet. Auf dem Grundstück von Theo können wir stehen und übernachten. Wir essen sehr gut am putzigen Foodtruck, den seine Frau in der Innenstadt betreibt.

Der Markt am nächsten Morgen stimmt uns ein auf Südamerika. Indigene eilen in ihren bunten Trachten durch die Straßen. Frauen tragen azurblaue Röcke, schwarze Melonen und dicke Perlenketten, während sich die Männer in schwarze Röcke und azurblaue Ponchos kleiden. Puristisch, aber ansprechend, wird alles angeboten, was hier in den Bergen Kolumbiens wächst.

 

Alle Waren werden in Kommunen in Gemeinschafts- produktion angebaut und mit farbenprächtigen Bussen zum Markt gebracht. Es wird gehandelt, gefeilscht und getauscht. Auch Nutzvieh wechselt hier den Besitzer und wird mit den bereitstehenden Lastbussen auch in die entlegenen, fast unerschlossenen, Orte gebracht. Wir saugen dieses herrlich bunte Treiben in uns auf, das so typisch ist für Südamerika, und freuen uns schon jetzt auf alles was noch vor uns liegt.

ROAD HOLES 

Von Silvia aus fahren wir zurück auf die Panamericana. Bis zum großen Grenzübergang, sind es von hier noch 236 KIlometer. Die Streckenführung der Hauptverkehrsader nach Ecuador verläuft spektakulär. Inmitten von vielen LKWs schrauben wir uns unaufhörlich in engen Serpentinen in die Höhe. Im Hof einer Gärtnerei kommen wir nach langer Fahrt am Abend endlich zum Stehen. 80 Kilometer noch bis zur Grenze.

Wie wir von anderen Overlandern und „Lokals“ hören, ist dieser Knotenpunkt zwischen Kolumbien und Ecuador oft überfordert mit dem Ansturm der vielen LKWs. Hinzu kommt der nimmer enden wollende Strom vieler Venezulaner, die aus ihrer Heimat fliehen und ihre Zukunft in anderen südamerikanischen Länder suchen. Lange Wartezeiten wären an diesem Nadelöhr vorprogrammiert.

Ziemlich abgelegen, auf der anderen Seite der Cordillera (Gebirgskette) gibt es noch einen kleinen Grenzposten, den unsere Reisefreunde Yasmin und Stefan vor wenigen Tagen überquert haben und für den auch wir uns entscheiden. Um dorthin zu gelangen müssen wir allerdings noch über den berüchtigten Pass „Trampolin de la Muertes“.

Wir verlassen die Panamericana bei Pastor. Anfänglich ist die Straße, die uns durch viele Vegetationszonen auf und ab über das Gebirge bringt, noch recht gut und breit. Auf den letzten 70 Kilometern, dem eigentlichen Trampolin, ändert sich das aber gewaltig. Sieben Stunden benötigen wir für diese kurze, aber enge, einspurige und teilweise unbefestigte Strecke.

Zusammenfassung des

vierten Teils der Reise,

Cancun  bis 

Kolumbien

 Januar bis Juli 2018

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