MéXIcO       Baja california 

 

Kurz vor dem Grenzübergang nach Mexiko übernachten wir auf dem Campground „Potrero County Parks“. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Tecate, einem kleinen Grenzposten zwischen Mexicali und Tijuana. Was wird uns hier erwarten? Wir wissen, dass es einiges an Formalitäten zu erledigen gibt. Die Autoversicherung für Mexiko, die wir für ein Jahr abgeschlossen haben, konnten wir bereits vorab mit dem Handy über Internet buchen. Hier an der Grenze müssen wir uns eine Touristenkarte möglichst für 180 Tage besorgen. Außerdem brauchen wir eine Genehmigung, unser Auto einzuführen. Natürlich würden wir auch gerne den lästigen weißen Zettel I-94 loswerden, der immer noch wie eine Zecke in den Seiten unserer Pässe sitzt.

 

Langsam rollen wir auf den Grenzposten zu. Von Seiten der Amerikaner ist niemand anwesend. Im abgeschlossenen Sicherheitsbereich ist bewaffnetes Militär positioniert. Die jungen Männer erwidern unseren Gruß jedoch freundlich aus der Entfernung. Wir fühlen uns nicht bedroht, eher beschützt. Zwei Grenzbeamte kommen uns entgegen. Momentan sind wir die einzigen am Grenzposten. Die Zöllner haben daher etwas Zeit. Sie inspizieren unser Fahrzeug außen und innen. Da die Mexikaner ausgezeichnet Englisch sprechen, sind wir schnell in einen ausführlichen Schwatz vertieft. Sie heißen uns willkommen und geben uns erste Tipps, was wir in ihrem schönen Land unbedingt anschauen müssen. Abschließend erklären sie uns, wo wir die notwendigen Unterlagen erhalten. Vorher müssen wir jedoch den Sicherheitsbereich verlassen und unser Auto in der kleinen Stadt Tecate, die sich unmittelbar hinter dem Grenzzaun befindet, parken. Kein Problem, so machen wir das. Kurze Zeit später kommen wir mit unserer umfangreichen Dokumentenmappe zurück in das Büro des Imigration Office.

 

„Oh, Alemania.“ Der Officer ist begeistert. Er kann sich nicht vorstellen, dass wir den ganzen Weg von Germany mit dem Auto zurückgelegt haben. „Zufälliger Weise“ hat er heute auch seinen selbstgemachten Honig dabei. Für drei Dollar kaufen wir einen großen Becher. Die anschließenden Formulare füllt er gerne für uns aus. Zwischendurch schickt er uns zweimal zum Einzahlen von Gebühren an den Bankschalter „Bajercito“, der sich ebenfalls im Sicherheitsbereich befindet. Eine Stunde später haben wir alle Unterlagen zusammen. 180 Tage können wir jetzt in Mexico bleiben und unser Auto sogar 10 Jahre lang. Nur den weißen Zettel I-94 sind wir nicht los geworden. Unser freundlicher, honigproduzierender Zöllner zuckte nur mit den Schultern und deutete auf den Papierkorb. Zurück am Auto entlohnen wir noch einen jungen Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die dort abgestellten Fahrzeuge zu bewachen. Wir finden nichts Verwerfliches daran, wenn sich die Menschen in einem Land, das wenig Arbeit bietet, Möglichkeiten suchen, um eine Einnahmequelle für sich zu schaffen. Es gibt uns vielmehr das Gefühl, einen kleinen Beitrag zur Unterstützung dieser meistens armen Bevölkerung zu leisten.

 

 

Unseren ersten Übernachtungsplatz finden wir bei Ensenada, oberhalb von Bufadoro. Die Einfahrt und die „Empfangshütte“ wirken im Gegensatz zur Lage des Platzes nicht wirklich einladend ..........

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

........ die Sanitäranlagen erscheinen abenteuerlich, sind aber doch vorhanden. Wie gut, dass wir mit unserem rollenden Hotel unabhängig sind. Der Betreiber, ein sehr freundlicher und fröhlicher Mexikaner verlangt 100 Pesos, umgerechnet etwa 5 Euro und überlässt uns das gesamte Areal. Der Ausblick auf’s Meer ist gigantisch. Wale ziehen draußen im Meer an uns vorbei. Bei einem Glas Wein erleben wir einen herrlichen Sonnenuntergang und kurz darauf einen prächtigen Sternenhimmel. Unsere Ansprüche an einen „Sterne-Campingplatz“ sind damit voll erfüllt. So können wir den Tag revuepassieren lassen und die nächste Etappe planen. Unsere Reise durch Mexiko hat begonnen.

19.02.2017

# What a day …

Jedes Jahr ziehen die Grauwale von Alaska entlang der Pazifikküste nach Mexiko in die warmen Lagunen an der Baja California. Hier finden diese Giganten der Meere ideale Bedingungen sowohl zur Paarung als auch zum Gebären, da der hohe Salzgehalt den Neugeborenen zu mehr Auftrieb verhilft. 

 

Der Grauwal erreicht eine Länge von bis zu 15 Metern und ein Gewicht von etwa 30 Tonnen. Das Weibchen kalbt alle zwei Jahre bei einer Tragzeit von 12 Monaten. Die Jungtiere kommen in den Monaten Dezember bis Februar mit einem Gewicht von mehr als einer Tonne und einer Länge von etwa vier Metern zur Welt. Zwei Monate werden die Jungen hier in diesen Gewässern mit Walmilch aufgezogen, die ihnen das Muttertier in den Schlund einspritzt. Mutter und Kind haben eine sehr enge Bindung und schwimmen sehr nahe beieinander. Nach der Aufzucht begeben sie sich auf die 8.000 km lange Rückreise in die kalten, nährstoffreichen Gewässer Alaskas.

 

„Was für ein Tag, was für ein Tag“ singt Enya in ihrem wunderschönen Lied, das unser heutiges Erlebnis so treffend untermalt. Die Wale in den Lagunen der Baja California sind auf der zweiten Etappe unserer Tour das ganz große Highlight. Vieles haben wir über diese Tiere schon gelesen. Mitte Februar ist die absolut beste Beobachtungszeit und Sichtungen nahezu garantiert. Von Guerrero Negro haben wir vor, unseren ersten Ausflug in die Kinderstube der Grauwale zu unternehmen. HJ bucht bei Malarrimo Eco-Tours, wo auch ein sehr gutes Lokal mit sauberen Stellplätzen in Guerrero Negro betrieben wird.

 

In der Nacht zuvor kann ich kaum schlafen, so aufgeregt bin ich. Am Vormittag starten wir mit zwei Guides und zwei Kleinbussen. Die Fahrt führt über Salinen-Felder weit hinaus an die Lagune „Ojo de Liebre“. Dort besteigen wir Boote mit kräftigen Außenbordmotoren. Im Bug will niemand sitzen und so können wir den Logenplatz beziehen. Auf einer spritzigen Fahrt geht es etwa zwanzig Minuten hinaus auf’s Meer. Dann können wir mit Ferngläsern die ersten Fontänen ausmachen. Die Boote sind noch in Fahrt und schon tauchen die ersten grauen Körper in Bootsnähe auf. Wahnsinn! So nah’! Die Amerikanerinnen kreischen und ich halte wieder einmal die Luft an. Der mexikanische Skipper schaltet den Motor aus. Alle Augen wandern über die aalglatte Wasseroberfläche. Es ist „mucksmäuschenstill“. Meine Atmung funktioniert wieder, nur mit meinen Augen stimmt etwas nicht. Dicke Tränen laufen bereits jetzt über meine Wangen. Eine Walmutter mit ihrem etwa vier Wochen altem Kalb nähern sich unseren Booten … und wie diese Geschichte weiter geht, erzählen die Wale selbst.

Ich kann mir nicht erklären, wie es mir gelungen ist, dieses Video zu drehen. Auf jeden Fall habe ich mit einer Hand gefilmt und die andere Hand nach den Walen ausgestreckt.

 

Die herrlichen Tiere wirkten glücklich, gesund und umkreisten lange und vollkommen freiwillig unsere Boote. Sie streckten sich unseren Händen entgegen und nach einer Weile hatte ich den Eindruck sie singen. Erst konnte ich es nicht richtig verstehen, später jedoch deutlich. Sie sangen wie Enya und ich: „What a day … what a day 

24.02. - 26.02.2017

# Pink Floyd

Bei San Ignacio gibt es direkt an der Lagune mehrere Camps, die Whale-Watching-Touren durchführen. Auch Wissenschaftler und Studenten haben ihre Zelte aufgeschlagen. Von hier aus wollen wir abermals in die Welt der Grauwale eintauchen. Bei unserer zweiten Tour landen wir jedoch nicht in der Kinderstube der Wale, sondern mitten in deren Schlafzimmer. Die Paarung der mächtigen Säugetiere zu beobachten, ist wirklich eine Seltenheit. Es sieht aus, als würden sich die Giganten im Wasser umarmen, um zu tanzen oder Zärtlichkeiten auszutauschen.

"Pink Floyd, Pink Floyd", rief unser Guide sichtlich aufgeregt. Erst wissen wir nicht was er damit meint, aber der Anblick des männlichen Geschlechtsteils machte Fragen überflüssig.

Pink

FLOYD

25.02. - 26.02.2017

 

ESCONDIDA

PLAYA

# Auszeit für Overlander

Wir fahren entlang der Ostküste der Baja del Sur. Ab Mulege reiht sich eine malerische Sandbucht an die nächste. Das Meer schiebt sich hier fjordähnlich ins Land; hier liegt die Baja Conception. Das Thermometer erreicht tagsüber 26°C.

 

Über eine kurze holprige Piste erreichen wir den Strand. Die Playa Escondida ist von der Straße aus nicht einzusehen und liegt weitgehend windgeschützt. Da es hier nur einen sehr geringen Gezeitenunterschied gibt, ist diese Bucht ideal zum Schwimmen und Schnorcheln geeignet. Direkt am Meer können wir unser Lager aufschlagen. Besser geht es nicht. Drei Tage verbringen wir mit Lesen und Schreiben und süßem Nichtstun. Täglich kommen fliegende Händler an den Strand, um allerlei Nützliches anzubieten. Ein Mexikaner ist mit Tischdecken bepackt. Es beginnt ein aufwändiges Auswahlverfahren. Etwa dreißig Decken mit unterschiedlichen Mustern und Farben zieren während der Prozedur unseren Outdoor-Tisch. Schmunzelnd beobachte ich Hans-Jürgen, wie er die Farben betrachtet und überlegt, welche Decke wir kaufen sollten. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ihn diese Nebensächlichkeiten überhaupt erreichen. Unser Tisch trägt nun Farben, viele. Schön!

 

Kurz darauf kommt ein Fischer daher mit Riesengarnelen. Wir bestücken unser Gefrierfach und schmeißen den Ofen an. Was ist hier eigentlich los? Sind wir im Schlaraffenland?

 

Auch die Nachbarschaft könnte nicht besser sein. Ute und Andreas aus Bielefeld bereisen die Baja schon seit 30 Jahren und geben uns viele nützliche Tipps.  Ihr mitgeführtes Equipment lässt keine Wünsche offen. Wir dürfen ihr Kayak benutzen und Andreas fährt uns mit seinem motorisierten Schlauchboot zu heißen Quellen, die sich in einer nahegelegenen Bucht befinden.

 

Mit Christa und Johann aus der Schweiz - auch sie sind schon mehrere Jahre unterwegs – erweitert sich unsere illustre Runde. Also verlängern wir unseren Aufenthalt und feiern zusammen meinen Geburtstag. Die Abende am Lagerfeuer sind gemütlich, lustig und informativ. Erst spät in der Nacht finden wir in die Betten. Aus den geplanten drei Tagen sind letztendlich zehn geworden.

 

Auf diesem Wege, liebe Freunde, viele Grüße ... allzeit einen blauen Himmel und gute Fahrt. Bis bald, irgendwo, irgendwann!

Christa und Johann

aus der Schweiz

Ute und Andreas aus

Bielefeld. Keiner kennt die Baja besser.

Auszeit

Happy Birthday

# Global Feiern   07. März 2017

# global feiern

Meine „Hackstecken“-Familie (WhatsApp-Gruppe) ist nicht zu toppen. Der Gedanke, meinen Geburtstag in diesem Jahr aufgrund meiner Abwesenheit ausfallen zu lassen, wollte ihnen nicht gefallen. Allerdings ergaben sich erschwerte Bedingungen, da wir in der Playa Escondida keinerlei Netzempfang hatten. So vereinbarten wir einige Tage zuvor, dass wir an dem besagten Tag mit dem Auto circa 20 Kilometer entfernt an eine Stelle fahren, die uns über meine ChatSIM-Karte Handyempfang ermöglicht. Ich staunte nicht schlecht, als die ersten Bilder und Videos hereinflatterten. Alle hatten sich zum gemeinsamen Pizzaessen eingefunden. Videobotschaften und Sprachnachrichten flitzten durch den Äther und Lilly, die Herrin der Arche Noah, sang mir ein Geburtstagsständchen. Die räumliche Entfernung hatte keine Bedeutung mehr. Wir lachten und feierten zusammen. Nur die kulinarischen Köstlichkeiten verdrückten sie ohne uns.

 

DANKE für die gelungene Überraschung und eure Flexibilität. ChatSIM und GlocalMe machten es möglich.

 

Auch unseren Freunden, die an mich gedacht haben und mir gratulierten danke ich von ganzem Herzen. 120 Nachrichten hatte ich an diesem Tag zu beantworten. Besonders berührt hat mich unser gemeinsamer Freund Achim, der mir ein selbstgesungenes Geburtstaglied mit Gitarre vorgetragen hat. Claudia hat mir wieder ein wunderschönes, persönliches Gedicht geschrieben und auch über den Song von Martina und Ewald habe ich mir sehr gefreut.

 

Fühlt euch alle fest umarmt. DANKE, ich habe mich sehr gut gefühlt.

Global

FEIERN

1/1

# Fischer’s Fritz

und das Blau Wunder

Pazifik

Dollar

...Christa, eine Reisefreundin aus der Schweiz, zeigte mir ein imposantes, sehr seltenes Fundstück, das Andreas, der Baja-Kenner, als Pazifik-Dollar bezeichnete. Dabei handelt es sich nicht um eine Muschel, sondern um das Innere eines Seeigels, auf dem sich eine symmetrische Blüte abbildet. Mein Verlangen war sofort geweckt. An einem dicken Lederband würde ich mir gerne dieses Geschenk des Meeres um den Hals hängen. Seitdem war ich auf der Suche ...

 

Wir sind immer noch im Walfieber. San Carlos, im Westen der Insel, liegt - durch die vorgelagerte, langgezogene Sanddünen-Insel St. Magdalena – geschützt an einer Lagune. Von hier aus wollen wir noch einen Ausflug zu den Grauwalen unternehmen. Das Hotel Mar Y Arenas bietet neben entsprechenden Touren auch einige Stellplätze für Overlander, wo wir mit OTTO direkt am Meer stehen können.

 

Mit fünf Biologie-Studenten sitzen wir in einem Boot und fahren hinaus auf’s Meer. Einige Grauwale tauchen auf, schwimmen vor uns und neben uns her, bleiben aber immer im größeren Abstand. Beeindruckend ist es natürlich schon, so nahe an den Walen zu sein, aber im Vergleich zu unserer ersten Tour ist es eher unspektakulär. Jan, ein Student aus La Paz (Mexiko) erklärt, dass die Saison zu Ende gehe und sich nur noch wenige Nachzügler in der Lagune befinden. Keinesfalls sind wir enttäuscht, vielmehr freuen wir uns, ihnen ein letztes Mal zuwinken zu können. Was tun mit dem angebrochenen Tag?

 

Elena, eine Kollegin von Jan, schlägt vor, auf der Düneninsel anzulanden, da sie weiß, dass es dort, in nahezu unberührter Natur, allerlei Muscheln, Fischskelette und sonstige Raritäten zu sammeln gibt.

Auf der Insel angekommen, frage ich Elena nach dem Pazifik-Dollar. Sie nickt und deutet mir an, dass ich auf die andere Seite der Düne gehen müsste. Erst denke ich, die spinnt ja, sie will mich nur loshaben, da sie gerade ein interessante Fischskelett entdeckt hat, … oder meint sie das im Ernst? So ein weiter anstrengender Weg über die riesige Sanddüne? Erschwerend kommt hinzu, dass ich keine Schuhe an habe und einige Muschelfelder zu überqueren sind. Es gilt, keine Zeit zu verlieren und so sprinte ich los. Keine Ahnung, wann das Boot wegen der einsetzenden Ebbe wieder ablegt. Egal, ich will so ein Ding!

 

Bereits wieder in Strandnähe auf der anderen Seite bleibe ich plötzlich wie angewurzelt stehen. Elena hatte Recht. Hier liegen die begehrten Pazifik-Dollar einfach so herum. Eilig, wie ein Bankräuber, befülle ich meinen Rucksack, immer darauf bedacht, nur die Größten und Schönsten auszuwählen. In Gedanken sehe ich die Gesichter meiner Freundinnen vorüber ziehen. Ich freu‘ mich, jede kann jetzt so ein Schmuckstück bekommen. Mein Rucksack wiegt schwer und geht kaum mehr zu. Ich muss Schluss machen. Oben auf der Düne steht HJ und signalisiert mir durch Winken, dass ich mich beeilen solle. Als Letzte wate ich durch’s Wasser und klettere ins Boot. Meine Füße brennen im Salzwasser. Zerbrochene Muscheln haben einige Schnitte in meinen Fußsohlen hinterlassen. Nur ein kleiner Preis für die reichliche Beute.

 

Hasta luego Mädels … sie gehören euch!

19. - 21.03.2017

 

# Fischer's Fritz

und das blaue wunder

Unser Fischer heißt Victor und fischte früher hauptberuflich frische Fische. Seit einigen Jahren hat er ein eigenes Boot und fährt mit „dicken Fischen“ hinaus zu den großen Fischen.

 

Von Loreto aus starten wir allein mit ihm unsere Tour zu den Blauwalen. Der Tag hat etwas erstaunlich Perfektes ...

... es ist windstill, das Wasser liegt wie ein Spiegel vor uns. Himmel und Meer verschmelzen am Horizont. Die Berge der vorgelagerten Inseln und das Panorama der Giganta Mountains wirken wie der Rahmen eines Bildes. Wenn Victor den Außenbordmotor abstellt, verstummt das einzige weltliche Geräusch und auch die Zeit verliert jegliche Bedeutung, wie in einem Vakuum.

 

Wir sind vorbereitet. Die Kameras sind startklar und doch gelingt es uns beim ersten Auftauchen eines der Riesen nicht, ein Foto zu machen. Erstaunen lässt die Bewegungen erstarren und ja, Gänsehaut … !

 

Victor’s Boot misst ganze acht Meter. Fast viermal so lang sind diese Tiere. Ihr Gewicht kann bis zu 33 Tonnen betragen. Scheinbar nehmen sie keine Notiz von der Welt über der Wasseroberfläche. Urplötzlich tauchen sie auf und füllen ihre Lungen in zwei, drei Atemzügen. Das kraftvolle, dumpfe Blasen erinnert an einen Vulkanausbruch. Vor dem Abtauchen erhebt sich die mächtige Schwanzflosse gen Himmel und das größte und schwerste jemals auf Erden lebende Säugetier verschwindet für mehrere Minuten in der Tiefe. Ergriffen und sprachlos bleiben wir jedes Mal in unserer kleinen Nussschale zurück.

 

Blauwale sind Einzelgänger. Über 100 Exemplare befinden sich im März hier in dieser Region, so erzählt uns Victor. Seine Erfahrung macht dieses Unternehmen für uns zum ganz großen Kino. Er versucht sein Boot immer so in Position zu bringen, dass der Wal beim nächsten Auftauchen genau auf uns zu schwimmt. Oft gelingt es ihm, und die Giganten ziehen sehr nahe an uns vorbei. Erst Tage später, mit etwas zeitlichem Abstand, kann ich dieses einmalige Erlebnis in Worte fassen.

Loreto, 11.03. - 15.03.2017

# Edelzigeuner

Ganz im Südwesten der Baja California liegt Todos Santos, eine kleine Stadt, in der sich viele Künstler niedergelassen haben. Den Mittelpunkt des Ortes bildet eine historische Missionskirche. In unmittelbarer Nachbarschaft dazu steht das legendäre, aus dem Song der Eagels von 1976 bekannte, Hotel California. Die wilden Zeiten des Rock’n Roll und der Drugs sind allerdings vorbei. Das Haus steht heute für kultivierte Raffinesse, geschmackvolle Kunst und eine exzellente, kreative Küche.

 

Wir ziehen mit unserem OTTO praktischer Weise auf dem dazugehörigen Parkplatz ein und machen uns schick. HJ bekommt sein bügelfreies, feines Hemd und ich schlüpfe in mein „kleines Schwarzes“, das ich für diesen Anlass noch mit dem schönen „Pazifik-Dollar“ aufpeppe. Anschließend tauchen wir für einige Stunden in die inspirierende, spirituelle Welt dieses Kleinodes ein.

20.03. - 21.03.2017

# Who is Frida ?

Auf meiner morgendlichen Walking-Runde, diesmal durch Todos Santos, entdecke ich die Bakery „3 Fridas“. Die bunte Aufmachung ist eindeutig und weisst auf die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo hin. In der Nähe von Mexiko City lebte diese außergewöhnliche Frau. In ihrem berühmten blauen Haus ist heute ein Museum eingerichtet. Ein Besuch ihrer Wirkungsstätte steht auf unserer ToDo-Liste für Mexiko City ganz oben.

 

Die Zusammenhänge der Bäckerei und Frida Kahlo interessieren mich und auch gegen frisches Backwerk zum Frühstück ist nichts einzuwenden. Der Produktions- und Verkaufsraum ist winzig. Neben einem Backofen und einer nüchternen Kühltheke befindet sich ein rustikales Holzregal an der Wand, auf dem liebevoll allerlei Köstlichkeiten präsentiert werden. Daneben steht eine Knetmaschine, deren Seiten mit Bildern von Frida beklebt sind. Hier sind eindeutig deren Fans am werkeln.

 

Es wird gerade Brot gebacken. 2 Fridas sind anwesend und ich stelle mich ihnen als „dritte Frida“ vor. Sie lachen über meinen Scherz. Ich kaufe einige ihrer Naschereien und frage, wie es zu der ungewöhnlichen Namensgebung ihres Ladens gekommen sei. Frida 1, die Inhaberin, spricht gut englisch und erzählt mir, dass ihre große Leidenschaft die Malerei ist. Da sich als selbständige Bäckerin jedoch besser Geld verdienen lässt, sei es zu dieser Symbiose gekommen.

 

Unsere Begegnung war kurz, witzig und herzlich. Ihr Charisma und ihre Lebensfreude sind vorbildlich. Frida Kahlo wäre sicherlich stolz auf diese fleißigen jungen Mexikanerinnen.

Darum in die ferne schweifen

Zwischen San José del Cabo, Cabo Pulmo und Los Barilles am Südostzipfel der Baja California führt eine unbefestigte, manchmal etwas abenteuerliche Piste etwa 150 Kilometer am Meer entlang. Einsam, unberührt, schön, warm, still. Das sind die Orte, von denen du während deines Berufslebens des Öfteren träumst.

 

Wir füllen unseren Kühlschrank und sämtliche Depots. Stundenlang schauen wir auf’s Meer. Wale ziehen vorbei, begleitet von Delphinen und das klatschende Geräusch springender Mantas ist nicht zu überhören. Hier wollen wir bleiben, bis wir es nicht mehr aushalten oder die Vorräte aufgebraucht sind.

 

23.03. - 06.04.2017

# Spanisch, Lektion 1

Span

isch

Lektion 1

An einem der wunderschönen Sandstrände lernen wir EDUARDO kennen. Er ist Mexikaner, spricht auch englisch und lebt mit seiner Familie in San José del Cabo. Er will alles über uns und unseren Otto wissen. Da Hans-Jürgen gerade im Wörterbuch studiert, versucht er ihm auf spanisch zu antworten. Eduardo hat keine Eile, schmunzelt und korrigiert die kleinen Fehler in den Antworten. Spontan macht er aus unserer „kleinen Wohnstube“ ein rollendes Klassenzimmer. Den ganzen Nachmittag verbringen wir so mit Lektion 1 à la Eduardo.

 

Am Abend ist dann Schluss mit lustig. Eduardo ruft seine Familie an und lädt uns in ihr Lieblingslokal ein. Er ist der Ansicht, dies sei eine gute Gelegenheit, die eben erworbenen Kenntnisse zu überprüfen und zu vertiefen.

 

Ich versteh‘ kein Wort, wenn sich die Mexikaner unterhalten. Einzig die Begriffe der Speisekarte kann ich mittlerweile einordnen. Ist ja wichtig, sonst bekomm‘ ich etwas, was ich nicht mag. Aber Hans-Jürgen ist richtig gut, er macht das mit System und wird nicht müde, auch die Grammatik zu berücksichtigen. Außerdem liegt sein Notizblock bereit, der sich - dank Eduardo’s Geduld - ständig weiter füllt.

 

Ich bin da ganz anders. Chaotisch. Meine Stärken liegen in der Körpersprache. Ein Satz auf spanisch sitzt nach diesem Abend allerdings auch bei mir: „Otra Margarita, por favor.“

 

28.03.2017

Mehr anzeigen

Los Barriles und die

Sushi-Meister

Los Barriles ist das erste Dorf, das wir nach unserer Zeit im „Outback“ erreichen. Auf dem schönen Campingplatz, mitten im Ort, ziehen wir ein. Es ist nichts los hier. Die Snowbirds aus Canada und USA sind längst nach Hause zurück gekehrt. Claire, die Besitzerin gibt uns ihren schönsten Stellplatz, unter Palmen direkt am Pool. Vor dem Areal gibt es ein kleines Frühstückslokal. Für ein paar Pesos wird man mit Kaffee, Eiern und Speck sowie warmen Zimtschnecken verwöhnt.

 

Unsere Abende verbringen wir im „La Casitas“ bei Aaron und Goa. Bereits am zweiten Abend haben wir einen Stammplatz. Es ist wirklich eine große Freude, die beiden Sushi-Meister zu beobachten. Hand in Hand arbeiten sie gemeinsam an einer Komposition bis der Teller servierfertig ist. Immer entsteht ein kleines Kunstwerk. Wir sind begeistert von ihrer Präzision und ihrer Teamwork.

 

Im Laufe der zwei Wochen unseres Aufenthalts kredenzen uns die beiden alle Köstlichkeiten, die sie so drauf haben und freuen sich, wenn wir mal wieder ungläubig kopfschüttelnd unsere Teller bestaunen. Bis zum letzten Bissen genießen wir diese Sushis und deren frische Zutaten. Dass wir dieses Geschmackserlebnis ausgerechnet in einer einfachen „Bretterbude“ in Mexiko erfahren, damit haben wir nicht gerechnet.

 

30.03. bis 13.04.2017

# Was macht MANN?

Unsere schöne Zeit auf der Baja California ist zu Ende. Der Abschied ist uns sehr schwer gefallen. Die überwältigenden Begegnungen mit den Walen waren intensiv und bewegend. Sobald wir davon erzählen oder nur daran denken, bekommen wir Gänsehaut. Immer werden wir uns mit großer Sehnsucht an diese wundervolle Halbinsel zurück erinnern. Zum Abschluß dieser Rubrik bleibt noch zu erzählen, was MANN macht, wenn  Frau wegen Hausordnung verhindert ist.

# Abgetaucht

07. bis 09.04.2017

Leo, unser Sohn, war damals vier Jahre alt. Wir hatten den Klassiker gebucht. Ägypten, Hurghada, 14 Tage, all inclusive. Sorry, Leo, aber Sandspielen und Schaukeln war nicht so mein Ding. Im Hotel gab es eine Tauchschule. Ich klinkte mich täglich für ein paar Stunden aus und machte den Tauchschein. Wie der Führerschein gilt dieser ein Leben lang. Dennoch ist nach fünfzehn Jahren dringend eine Auffrischung notwendig.

 

Simon, ein Engländer, der in Los Barriles eine Tauchschule betreibt, nimmt sich viel Zeit und bringt mich schnell wieder auf den neuesten Stand. In den darauf folgenden Tagen machen wir zusammen drei Tauchgänge. Damit ist auch mein altes Diving-Log-Book wieder zu gebrauchen.

 

Im Hinblick auf unsere Weiterreise nach Yucatan, Belize oder später auf die Galapagos-Inseln bin ich jetzt gerüstet. Insgeheim hoffe ich, dass Leo, der 2016 in Thailand den Tauchschein gemacht hat, an einem dieser Hotspots für Taucher im "Hotel Mama" eincheckt und wir dann zusammen abtauchen können. (Hans-Jürgen)